Nach 2024 und 2025 sichert sich der Burger BC ein drittes Mal den Steinhaus-Kreispokal. Finalgegner Heyrothsberge macht aus dem Titelhattrick aber alles andere als einen Selbstläufer.
Burger Volksstimme vom 26.05.2026
Den wuchtigen Kopfball von Denis Neumann hat Christopher Biegelmeier noch glänzend entschärft. Doch als der Abpraller dem Torjäger des Burger BC 08 direkt vor die Füße fiel und dieser die Kugel volley ins Netz katapultierte, hat der Keeper des SV Union Heyrothsberge den Einschlag hinter sich mutmaßlich nur noch als Luftzug gespürt. „Im Nachgang meinte ’Biggi’, dass er den Ball auch halten kann. Aber eben nur, wenn er schon eine Sekunde vor dem Schuss abspringt“, zitierte Union-Trainer Marcel Gieseler seinen Schlussmann.
Neumanns Schlusspunkt (88.) zum Burger 3:1 (0:0)-Triumph im Endspiel um den Steinhaus-Kreispokal hat also am Freitag noch mal die Unterschiede zwischen beiden Landesklasse-Schwergewichten demonstriert. In Sachen Handlungsschnelligkeit, Präzision und Wucht dürften sich ohnehin nicht viele Klubs unterhalb der Verbandsliga finden, die mit den Pferdestärken des BBC mithalten können. Und doch birgt ein Cup-Finale auch stets die Gefahr, dass der Favorit diese nicht auf den Platz bekommt. So wie rund zehn Minuten vor dem Ende, als plötzlich der Begriff „Verlängerung“ über den Gladauer Rasen schwebte.
Nachdem Unions Pressingmaschine angesprungen war und Robin Wehrmann den Ball auf Höhe der Mittellinie verlor, erahnte auch Burgs Trainer Tim Kolzenburg die Gefahr: „Wir wussten ja vorab, was auf uns zukommt. Mit Alexander Vasükov oder Christian Kloska verfügt Heyrothsberge über gefährliche Umschaltspieler.“ Dazu durfte auch Hannes Schulze, der den Fuß an die Hereingabe von der rechten Seite hielt und den Ball zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (79.) ins Netz spitzelte, gezählt werden.
Auf der anderen Seite stand jedoch ein 35-Jähriger, der noch immer Platz 25 in der ewigen Torschützenliste der NOFV-Oberliga Süd beansprucht: Nach perfekt temperiertem Steckpass von Lennert Gramelsberger vollstreckte Neumann nur fünf Minuten später trocken und flach zum 2:1 (84.) und ließ kurz darauf mit seinem zweiten Streich auch seinen Trainer hörbar aufatmen: „Ich bin wirklich froh, dass ’Neumi’ alle Entschlossenheit in seine Abschlüsse gepackt hat und wir die Verlängerung umgehen konnten.“ Mitunter eine Trotzreaktion darauf, dass die Torjägerkanone der Landesklasse-Staffel 1 aufgrund der gehäuften Zahl an Spielausfällen wohl bis zum Karriereende eine Leerstelle bleibt. In jedem Fall aber eine Qualität, Endspiele mit wichtigen Treffern entscheiden zu können.
Auch wenn die Gegenseite nach Schlusspfiff und Pokalübergabe keineswegs am Boden zerstört wirkte, dauerte es im Fall von Alexander Vasükov ein wenig länger, um zum Lächeln zurückzufinden. „Eine Finalniederlage nimmt niemand freudestrahlend hin, aber er war wohl von allen am wenigsten begeistert“, sagte auch Gieseler. Denn sein Schützling hatte nach knapp einer Stunde das Ungeheuerliche gewagt und war im Rücken der gegnerischen Abwehr aufgetaucht, scheiterte allerdings im Eins-gegen-eins-Duell an BBC-Keeper Christopher Klötzer. Die große Chance zur 1:0-Führung war dahin – und das sollte sich gleich doppelt rächen.
Mitten in einer Phase, in der beide Seiten die Zurückhaltung endgültig ablegten, tat sich für Marc-André Jürgen auf dem rechten Burger Flügel die Lücke auf. Ein energisches Tempodribbling, der Weg nach innen und schließlich ein platzierter Abschluss vom Strafraumeck sorgten für das vielfach Erwartete, sprich die 1:0-Führung des Pokalverteidigers, der in den 67 Minuten zuvor lange vergeblich angerannt war.
„Unsere Vorstellung in der ersten Halbzeit war nicht verkehrt. Bis auf eine gegnerische Halbchance haben wir wenig zugelassen, aber eben selbst auch nur bis zum gegnerischen Strafraum funktioniert“, ordnete Kolzenburg ein. Die Dominanz aus der Anfangsviertelstunde flachte so zunehmend ab. Oft agierten die Burger zu umständlich. Wie zum Beleg verbuchte Vincent Schlitte bis zur Pause per anspruchsvollem Seitfallzieher noch die größte Gelegenheit (21.).
Er und seine Mitspieler trafen – wenig überraschend – auf einen Gegner, der tief stand und einen massiven Verteidigungsriegel aufbaute. Für den Geschmack von Coach Gieseler fehlte dem eigenen Auftreten so auch eine Spur Mut: „Man hat uns die Angst vor einem Ballverlust im Spielaufbau angemerkt. In der zweiten Hälfte haben wir dann etwas höher verteidigt, aber es war weiterhin zu merken, dass wir uns vor zu vielen offenen Räumen für den Gegner gefürchtet haben.“ Dennoch hielt die defensive Disziplin seine Mannschaft im Spiel, ehe sich die Erfahrung und Qualität von Akteuren wie Jürgen oder Neumann doch durchsetzte.
Ein Pokalabend, der also aus Heyrothsberger Sicht nichts einbrachte außer Schulterklopfern? Nein. Für den vierwöchigen Ligaendspurt in der Staffel 2 hofft der Union-Trainer auch auf einen kleinen Nachhall: „Natürlich haben wir ein, zwei Schwachstellen gegen einen Gegner von diesem Format aufgezeigt bekommen. Aber die Mannschaft hat auch gesehen, dass sie dagegenhalten kann, wenn sie im Kollektiv auftritt. Und wenn sich auf einmal 500 Leute über einen Treffer von uns freuen, setzt das auch Energie frei.“
Apropos: Die vermuteten Rhythmusstörungen durch vier ausgefallene Heimspiele in Serie wusste der alte und neue Pokalsieger mit kleineren Abstrichen souverän zu überspielen. Und trotz des eingefahrenen „Doubles“ ist der BBC 08 weiterhin erfolgshungrig. „Ziel ist es jetzt natürlich, die Saison ohne Punktverlust zu Ende zu bringen“, blickte Kolzenburg voraus – nicht aber ohne ein Leckerli zu verteilen: Bis Donnerstag bleibt man in Burg trainingsfrei.
Burg: Klötzer – Engel, Gramelsberger, Wehrmann (90.+1 Schulz), Saage (59. Parpart), Jürgen, Grisgraber, Siebert, Schlitte, Thiede (80. Teege), Neumann
Union: Biegelmeier – Peukert (86. Taube), Schlüter, Schäfer, Fritz, Marth (68. Vogel), Völckel, Kloska, Marks, Schulze (60. Gropius), Vasükov
Tore: 1:0 Marc-André Jürgen (67.), 1:1 Hannes Schulze (78.), 2:1, 3:1 Denis Neumann (84.,88.)
SR: Matthias Henke (Brettin), Hossein Emir Alizadeh, Sven Schulz, Niklas Lindemann; ZS: 610
