Vom Pokalfieber in die Ernüchterung
Burger Volksstimme vom 02.06.2026
Heutewird vor dem Training beim SV Union Heyrothsberge Klartext geredet. Trainer Marcel Gieseler erhofft sich dann im Austausch mit seinen Landesklasse-Fußballern vor allem Antworten auf „ein sehr schwer zu lösendes Rätsel“. Am vergangenen Sonnabend, im Gastspiel beim SSV Samswegen, haben die Unioner nämlich nicht nur mit 1:2 (1:1) den Kürzeren gezogen, sondern dabei auch den Anschein erweckt, als hätten sie drei Spieltage vor dem Saisonende in der Staffel 2 bereits mit der Serie abgeschlossen: „Es wirkt, als wären alle vor den großen Ferien zum Nachsitzen beordert worden. Es gab gegen Kleinmühlingen schon diesen Spannungsabfall. Und nach dem Kreispokalfinale als vorweggenommenes Highlight scheint es, als wäre die Luft bei uns endgültig raus“, ließ Gieseler die vergangenen Wochen gedanklich Revue passieren und schob nach: „Ich hoffe natürlich, dass ich Unrecht habe.“
Tatsächlich aber blitzte in den 90 Minuten vom Sonnabend nur selten die starke Form der Rückrunde bei Simon Otto Fritz und Co. auf. Mit reichlich, aber vor allem brotlosen Ballbesitz wussten die Heyrothsberger in Samswegen kaum zwingende Aktionen zu erzeugen. Zu allem Überfluss halfen sie bei Gegentreffern (12., 70., FE) auch noch tatkräftig mit, so dass der Coach zur Feststellung gelangte: „Der Gegner hatte keine wirklichen Waffen, aber wir haben ihm den Gefallen getan, viele schlechte Entscheidungen zu treffen.“ Immerhin folgte Hannes Schulze dem richtigen Impuls und holte seine Farben nach knapp 25 Minuten mit dem 1:1-Ausgleich zurück ins Spiel. Und auch, nachdem der SSV vor Anbruch der Schlussviertelstunde die erneute Führung vorgelegt hatte, winkte das Glück den Unionern noch mal. Alexander Vasükov brachte einen Foulelfmeter aber zu lasch und ungenau aufs Tor, so dass Keeper Tom Lindemann den Versuch abwehrte (87.). Bezeichnend: Der folgende Nachschuss segelte im hohen Bogen über das Ziel.
Den verpassten Punkt wollte Gieseler zwar nicht allein an der Szene festmachen, dennoch unterstrich sie ein ernsthaftes Problem: „Alex ist inzwischen unser neunter oder zehnter Elfmeterschütze der vergangenen beiden Jahre. Das spricht nicht für Konstanz vom Punkt und schon gar nicht für eine gute Quote.“ Wohl und Wehe des SV Union sollten sich am kommenden Sonnabend auch nicht am Kreidestrich entscheiden, wenn der Osterweddinger SV ab 15 Uhr an der Königsborner Straße gastiert. Eine gute Gelegenheit ist das vorletzte Heimspiel aber allemal. Vor allem, um eine Reaktion zu zeigen, anstatt sich selbst neue Rätsel aufzugeben.
Union: Biegelmeier – Peukert, Gropius, Taube (63. Vasükov), Schäfer, Fritz, Marth (82. Hrachowitz) Völckel, Marks, Schlüter, Schulze
Tore: 1:0 Jan-Erik Gamroth (12.), 1:1 Hannes Schulze (24.), 2:1 Fabian Lehmann (70., FE)
SR: Denis Funk (Wespen); ZS: 48
