Auch das zweite Kreispokal-Halbfinale geizt nicht mit Dramatik. Nach 2:0-Führung, Unterzahl und Verlängerung scheitert der TSV Brettin/Roßdorf am SV Union Heyrothsberge.
Burger Volksstimme vom 09.04.2026
Auf einmal war sie da, die große Chance des Thomas Gronwald. Es hätte perfekt zu einem verrückten Ostermontag und einem nicht minder irrwitzigen Kreispokalhalbfinale gepasst, wenn der 34-jährige Offensivroutinier in der 121. Minute doch noch die Tür zum Elfmeterschießen aufgestoßen hätte. Doch dazu kam es im Duell der beiden Landesklasse-Schwergewichte vom TSV Brettin/Roßdorf und SV Union Heyrothsberge nicht. Nachdem Gronwald die Kugel nahe des Fünfmeterraums vor die Füße gefallen war, versprang das Spielgerät noch einmal und ein kontrollierter Abschluss war nicht möglich. Mit 3:4 (2:2, 0:0) musste der Vorjahresfinalist und Cup-Sieger des Jahres 2023 die Segel streichen.
Entsprechend fiel die Stimmungslage nach dem Abpfiff aus: „Ein ganz bitteres Pokalaus. Wir haben über 120 plus X Minuten gekämpft, selbst in Unterzahl noch etliche Chancen herausgespielt“, trauerte TSV-Coach Lucas Weinheimer der verpassten Chance nach. Die Gegenseite zog dagegen erstmals seit dem Gewinn der Trophäe 2012/2013 wieder ins Endspiel ein und ging dabei unter allen Wettbewerbern den längsten Weg. „Dass wir nun das dritte Mal die Verlängerung bemühen mussten, ist maximal unnötig. Aber dass wir auch zum dritten Mal eine Runde weiterkommen, ist auch eine gewisse Qualität. Die Jungs haben bis zuletzt die entsprechende Frische im Kopf und in den Beinen“, ordnete Union-Trainer Marcel Gieseler den neuerlichen Ritt auf der Gefühlsachterbahn ein.
Bevor die Gastgeber bei Gronwalds Last-Minute-Chance die Tücken des eigenen Platzes verfluchten, hatten diese ihm noch in die Karten gespielt. Gianni Schmahl musste nur noch ins leere Tor zur Brettiner 1:0-Führung einschieben (46.), da dem Heyrothsberger Schlussmann Christopher Biegelmeier die Kugel über den Fuß gehoppelt war. Auch seinem Vordermann Martin Peukert wurde beim Versuch, den Ball zu kontrollieren, eine Unebenheit im Rasen zum Verhängnis. Widersacher Toni Wicke war so nur noch auf Kosten eines Elfmeters zu stoppen, den Maximilian Müller zum Ausbau der Führung auf 2:0 nutzte (76.).
Dass es für den TSV schwer wurde, den Vorsprung über die Zeit zu bringen, lag auch an einer Schlüsselszene zwischen beiden Treffern: Bereits gelbverwarnt, wusste sich Kapitän Marvin Helm vor dem eigenen Strafraum nur per Foul zu behelfen und sah folgerichtig die Ampelkarte. Dass sein Team danach rund eine Stunde in Unterzahl zurechtkommen musste, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand absehen. Doch in den letzten 20 Minuten entfesselten die Gäste wie schon in der torlosen ersten Hälfte ein wahres Powerplay und wurden belohnt: Erst drückte Christian Kloska eine Eingabe von Tom Marks am langen Pfosten zum 1:2-Anschluss über die Torlinie (87.). Dann segelte in der fünften Minute der Nachspielzeit erneut eine Flanke durch den TSV-Strafraum und von Julien Teppers Ferse sprang der Ball unglücklich in die eigenen Maschen – 2:2, Verlängerung, Drama.
Dass den Hausherren noch die 90 Punktspielminuten vom Sonnabend gegen Gardelegen II (1:1) schwer in den Beinen lagen, schien in der „Zugabe“ zunächst ebenso wenig eine Rolle zu spielen wie die nummerische Unterlegenheit. „Eigentlich war der Gegner mausetot, aber wir waren uns unserer Sache offenbar zu sicher“, hatte Gieseler beobachtet. So verbuchte der eingewechselte Lukas Matthäus zunächst eine riesen Gelegenheiten, den TSV wieder in Führung zu schießen, doch Biegelmeier war in höchster Not zur Stelle (103.). Nur zwei Minuten später hatte jedoch Julien Zander den Reserveakku eingelegt, tankte sich unnachahmlich über die rechte Seite vor und servierte die Flanke, die einem Abwehrspieler der Gäste an die Hand sprang.
Jede andere Geschichte wäre an dieser Stelle mit einem Happy-End auserzählt gewesen. Beim Eigentor noch tragische Figur, trat Tepper zum fälligen Strafstoß an, traf und versetzte Brettin/Roßdorf mit dem 3:2 in völlige Ekstase (105.). Doch der Fußballgott sagte Nein zu den Gastgebern. Unmittelbar nach Wiederanpfiff klärte Fritz Kniesche den Ball unter Bedrängnis zur Ecke. Diese landete punktgenau auf dem Kopf von Simon Otto Fritz, der sich die Chance zum neuerlichen Ausgleich nicht nehmen ließ (106.). Kurz darauf versetzte Moritz Hanke den Gastgebern den Knockout, als sich auf der rechten Seite die Lücke auftat und der eingewechselte Youngster den 4:3-Siegtreffer erzielte (111.).
Dem nur allzu verständlichen Jubel der Unioner über die erste Finalteilnahme seit 16 Jahren stand nach 120 Minuten Wahnsinn im Waldstadion die abgrundtiefe Enttäuschung des TSV gegenüber. Coach Weinheimer hatte als Erster die Fassung wiedergefunden und lobte: „Riesen Kompliment an meine Jungs. Keiner hat sich aufgegeben. Es hat einfach nicht sein sollen.“ Die Gegenseite darf sich derweil ebenso wie der Burger BC 08 das Pfingstwochenende frei halten, wenn entweder am Sonnabend, 23. Mai, oder Montag, 25. Mai, dem Vernehmen nach am Endspielort in Gladau das Finale wartet.
Brettin/Roßdorf: Temme – Ju. Feuerherdt, Tepper, Dauter (109. Gronwald), Helm, Lu. Lindemann (83. Zander), Kniesche, Müller, Je. Feuerherdt (86. Matthäus), Wicke (90. Miklejewski), Schmahl
Union: Biegelmeier – Peukert, Gropius, Wöhler (78. Schulze), Taube (69. Vorhölter), Fritz, Marth (98. Hrachowitz), Völckel, Kloska, Marks, Vasükov (77. Sensenschmidt)
Tore: 1:0 Gianni Schmahl (46.), 2:0 Maximilian Müller (76., FE), 2:1 Christian Kloska (87.), 2:2, 3:2 Julien Tepper (90.+5, ET, 105., HE), 3:3 Simon Otto Fritz (106.), 3:4 Moritz Leonard Hanke (111.)
SR: Alexander Zelosko (Burg); ZS: 138; Gelb-Rot: Marvin Helm (73., wdh. Foulspiel) -Brettin/Roßdorf
