Mit dem 7:0-Sieg über Eilsleben setzt Heyrothsberge ein Statement im Titelrennen der Landesklasse 2. Nur logisch, dass der neue Spitzenreiter nun auch die Zurückhaltung ablegt.
Burger Volksstimme vom 28.04.2026
An ähnliche Dimensionen wie im WM-Halbfinale 2014 zwischen Deutschland und Brasilien hat beim SV Union Heyrothsberge im Vorfeld des Sonnabends keiner zu denken gewagt. Niemand außer Joel Schumburg, der die denkwürdige Nacht von Belo Horizonte wegen seines späteren Geburtstermins übrigens noch gar nicht miterlebt hat. Der Sprössling von Co-Trainer Mathias Schumburg und Nachwuchskicker der Union-E-Jugend hatte also vor dem Anpfiff des Landesklasse-Spitzenspiels gegen den Eilslebener SV ein 7:1 vorhergesagt.
Dass die anschließenden 90 Minuten dem selbstbewussten Tipp sogar noch eins draufsetzten und die Gastgeber den nun ehemaligen Spitzenreiter gegentorfrei mit 7:0 (2:0) vom Platz fegten, versetzte auch den Heyrothsberger Cheftrainer Marcel Gieseler ins Staunen: „Ein 6:5 wäre vielleicht noch realistisch gewesen.“ Bei einer Begegnung seiner Schützlinge mit dem ESV ist schließlich Spektakel vorprogrammiert, wie die Ausgänge der jüngeren Vergleiche nahelegen – 4:8, 2:5 und 1:10. „Aber wenn wir vorab von einem Sieg in dieser Größenordnung ausgegangen wären, hätte man uns für verrückt erklärt.“ An der Zurechnungsfähigkeit der Gastgeber musste man zwar keine Zweifel anmelden, wohl aber an der Eilslebener Eignung für das neu entfachte Rennen um den Landesliga-Aufstieg. Zur Wahrheit gehörte zwar auch, dass die Gäste ersatzgeschwächt antraten, dass sie aber in der zweiten Hälfte in ihre Einzelteile zerfielen, überraschte die Mehrzahl der 83 Zuschauer dann doch.
Bis dahin hatte sich nur eine der beiden Mannschaften der bedingungslosen Attacke verschrieben. „Es war unser Matchplan, hoch anzulaufen, und wir hatten dies eigentlich auch vom Gegner erwartet“, sagte Gieseler. Und nachdem Bennet Vogel (13.) und Alexander Vasükov (24.) mit der 2:0-Pausenführung den Weg geebnet hatten, ging der Heyrothsberger umso perfekter auf. Auch weil, der ESV zwar physisch aus der Kabine zurückkehrte, aber in Hälfte doch irgendwie abwesend wirkte. Vor allem in jener Viertelstunde, in der Christian Kloska (50.), Vogel (51.) und Hattrick-Schütze Vasükov (55., 66.) das halbe Dutzend Union-Treffer perfekt machten und dabei auf ebenso wenig Gegenwehr stießen wie später Philipp Marth, der den 7:0-Schlusspunkt setzte (71.).
So wirkte es in der Schlussphase fast schon wie ein Akt der Heyrothsberger Gnade, dass die Grenze zur Zweistelligkeit nicht überschritten wurde. Chancen dafür ergaben sich definitiv, doch auch der Gastgebercoach wollte nicht nach dem Makel suchen: „Wie wir es dann gespielt haben, war schon gut. Irgendwann war natürlich die letzte Gegenwehr bei Eilsleben gebrochen. Dann funktionieren auch die unmöglichsten Dinge.“
Ganz und gar nicht unrealistisch wirkt nun, dass Heyrothsberge gegenüber den strauchelnden Konkurrenten im Titelrennen inzwischen die besten Karten hat. Das Formhoch spricht klar dafür und auch Gieseler bekennt: „Ich kann den Jungs das Internet und den Blick auf die Tabelle nicht verbieten. Nach dieser Rückrunde würden wir uns unglaubwürdig machen, wenn wir weiter an unserem Ziel Platz drei festhalten. Jetzt haben wir Blut geleckt“, lautete die Kampfansage vor den anstehenden Duellen in Niederndodeleben und beim MSC Preussen. Ergebnis-Orakel Joel Schumburg, bitte übernehmen Sie ab hier.
Union: Christopher Biegelmeier – Daniel Gropius, Marcus Schlüter, Simon Otto Fritz, Philipp Marth (75. Jean-Luca Sensenschmidt), Karsten Völckel (84. Cedric Vorhölter), Christian Kloska, Tom Marks, Hannes Schulze, Alexander Vasükov (68. Dean-Robbin Taube), Bennet Vogel (68. Moritz Leonard Hanke)
Eilsleben: Moritz Bergeest – Janis Derda, Maximilian Bockwoldt, Robert Niebuhr, Christian Jakobs, Tobias Haus, Carlo Köhler (62. Tom Roloff), Marlon Badeleben (85. Florian Hamel), Niklas Ruprecht (70. Til Weber), René Hasse, Marcus-Antonio Bach
Tore: 1:0 Bennet Vogel (13.), 2:0 Alexander Vasükov (24.), 3:0 Christian Kloska (50.), 4:0 Bennet Vogel (51.), 5:0, 6:0 Alexander Vasükov (55., 66.), 7:0 Philipp Marth (71.)
SR: Denis Funk (Wespen); ZS: 83
