Fußball-Landesklasse: Heyrothsberge trotzt den Widrigkeiten in Niederndodeleben.
Burger Volksstimme vom 12.05.2026
Insider wissen: Seit der Erfindung von Einzelauszeichnungen im Teamsport Fußball werden beim norwegischen Bryne FK die wirklich erstrebenswerten Preise vergeben. Der Klub aus dem Südzipfel des Landes überreicht den prägendsten Akteuren eines Spiels nach dem Abpfiff schon mal ein lebendiges Lamm, 100 Hühnereier oder einen Jahresvorrat Milch und Haferflocken. Was in der landwirtschaftlich geprägten Region eben gerade Saison hat.
In 850 Kilometern Luftlinie, genauer beim SV Union Heyrothsberge aus der Landesklasse 2, hat sich der Trend bedauerlicherweise noch nicht durchgesetzt. Was aber nichts daran änderte, dass beim 3:1 (1:0)-Auswärtserfolg in Niederndodeleben einer ganz besonders hervorstach: „Unabhängig von seinen beiden Treffern war Hannes Schulze unser Man of the Match. Aufgrund seiner Athletik schafft er es eben, auch auf solch schwierigen Plätzen gute Aktionen zu kreieren“, adelte Unions Trainer Marcel Gieseler seine Offensivkraft.
Weil es im direkten Vergleich zum akkurat getrimmten Grün in Heyrothsberge doch die eine oder andere Unebenheit und Tücke auf dem Rasen des TSV gibt, „war uns vorab klar, dass dieser Nachmittag nicht viel mit dem Fußball, den wir gern spielen, zu tun haben würde“, bekannte Gieseler. Tatsächlich befand sich das Spielgerät im Verlauf der 90 Minuten gefühlt öfter in der Luft als am Fuß. Doch die Unioner können bekanntlich auch anders und das Geläuf hielt die Gäste nicht davon ab, früh ein erstes Statement zu setzen. Ein langer Ball von Eduard Schäfer brachte Bennet Vogel in Abschlussposition. Einen technisch anspruchsvollen Lupfer später stand nach gerade einmal zwei Minuten die 1:0-Führung für Heyrothsberge.
Die folgenden 85 Minuten trugen allerdings immer seltener das Prädikat „besonders sehenswert“. Zwar musste Union-Torhüter Christopher Biegelmeier im weiteren Verlauf nur zweimal eingreifen und gerade in der zweiten Hälfte „hatten wir auch Möglichkeiten, frühzeitig alles klar zu machen“, doch es brauchte schon eine Seitenverlagerung von Karsten Völckel auf Cedric Vorhölter, der die Kugel servierfertig für Schulze auflegte und dieser zum zwölften Mal in dieser Saison zur Stelle war (86.). Das 2:0 als Vorentscheidung? Denkste.
Ein ungestümer Einsatz von Simon Otto Fritz im eigenen Strafraum führte nur 120 Sekunden später auf der Gegenseite zum Elfmeter, den Tony Lüddeckens verwandelte und den TSV so wieder zurück ins Geschäft brachte. In der an Aufregern nicht armen Schlussphase behielt einer aber die Übersicht: Nach Pass von Dean-Robbin Taube war Schulze auf und davon, umkurvte auch Niederndodelebens Schlussmann Rico Willner und durfte sich nach dem 3:1 (90.) den verdienten Applaus bei seiner Auswechslung abholen.
Ein Hannes Schulze in Galaform kann morgen gewiss auch nicht schaden. Dennoch braucht es einen konzentrierten Auftritt in allen Mannschaftsteilen, um im Nachholspiel beim MSC Preussen (18.45 Uhr, Heinrich-Germer-Stadion) das Verfolgerduell für sich zu entscheiden und eventuell den Sprung an die Tabellenspitze zu schaffen. Bei dauerambitionierten Magdeburgern gibt es die Man-of-the-Match-Auszeichnung übrigens tatsächlich. Zur Belohnung fällt schon mal ein Paar Badeschlappen ab. Allerdings mit Preussen-Logo und nicht für den Gegner.
Niederndodeleben: Willner – Komorous, Jebsen, Ahlemann (29. Nötzold, 38. Ferl), Mai, Schott, Lüddeckens, Kel. Husnik, Felgentreff, Biermanski, Farkas
Union: Biegelmeier – Peukert, Wöhler, E. Schäfer, Fritz, Völckel, Kloska (82. Vorhölter), Marks, Schulze (90.+1 Hrachowitz), Vasükov (68. Taube), Vogel (77. Sensenschmidt)
Tore: 0:1 Bennet Vogel (2.), 0:2 Hannes Schulze (87.), 1:2 Tony Lüddeckens (88., FE), 1:3 Hannes Schulze (90.)
SR: Franz Joseph Neumann (Magdeburg); ZS: 60
