Fußball-Landesklasse: Heyrothsberge verliert und hadert mit dem Schiedsrichter.
Burger Volksstimme vom 16.05.2026
Erfahrungsgemäß werden Urkunden im Jahr eines runden Jubiläums etwas großzügiger verteilt. Marcel Meier wird sich allerdings mit der Vorstellung anfreunden müssen, nicht so schnell zum Ehrenmitglied des SV Union Heyrothsberge, der Anfang des Monats 100. Geburstag feierte, ernannt zu werden. Der Referee stand am Mittwoch mehr in Fokus, als es dem Spitzenspiel der Fußball-Landesklasse 2 beim guttat: „Es ist schade, diese 90 Minuten auf die Schiedsrichterleistung reduzieren zu müssen. Aber grundlos saßen die Jungs nicht mit viel Wut in der Kabine und ich bin dann auch relativ schnell nach Hause gefahren“, sagte Unions Trainer Marcel Gieseler im Nachgang der 1:3 (0:1)-Niederlage seines Teams beim Magdeburger SC Preussen.
Dass in der ersten Hälfte ein fälliger Elfmeterpfiff ausblieb, nachdem Christian Kloska im Strafraum der Gastgeber halbwegs offensichtlich von zwei Widersachern gefoult wurde, mochte noch in die Kategorie „ärgerlich, aber passiert“ fallen. Denn auch der eigene Auftritt bot aus Heyrothsberger Sicht bis zur Pause viel Anlass für Kritik: „Es wirkte so, als kämen alle von uns aus einer Zehn-Stunden-Schicht, während die Preussen-Spieler gerade ein Spa-Wochenende verlebt hatten. Wir waren zu lethargisch, die klar schlechtere Mannschaft und konnten uns glücklich schätzen, dass der Rückstand nicht höher ausgefallen ist“, kritisierte der Gästetrainer und sah, wie Marcus Preuss einen Sololauf mit der verdienten 1:0-Pausenführung seines Teams krönte (40.).
Doch die Reaktion sollte folgen. Allein zwischen der 50. und 75. Minute verbuchten die Unioner ein halbes Dutzend Großchancen. Die technisch anspruchsvollste verwandelte Karsten Völckel zum verdienten 1:1-Ausgleich (62.). Doch bereits rund um den Kunstschuss des Routiniers hatten sich einige fragwürdige Entscheidungen der spielleitenden Stelle aufsummiert. So tauchte Hannes Schulze nach rund 70 Minuten im Rücken der MSC-Abwehr auf, wurde klar umgerissen, doch Referee Meier ahndete das Vergehen nicht als Notbremse, sondern ließ Abubakar Jibril mit Gelb davonkommen.
Auf der Gegenseite waren Marcus Schlüter und Preussens Azad Kidw in einen Zweikampf verwickelt, beide zogen und zerrten aneinander, doch den Zuschlag erhielten in dieser recht uneindeutigen Szene die Gastgeber. Artem Kulinich zirkelte den anschließenden Freistoß sehenswert in den Winkel – das 2:1 (86.). Anschließend war Heyrothsberge gezwungen, volles Risiko zu gehen und wurde ausgekontert. Doch nicht irgendwie: Die Magdeburger Bank mochte bereits die Hände vor den Kopf schlagen, weil Artem Kulinich der Pass erst erreichte, als dieser sich in einer recht klaren Abseitsposition befand. Das Schiedsrichtergespann sah großzügig darüber hinweg und mit dem 3:1 waren auch die letzten Hoffnungen der Gäste begraben (90.+1).
Übrig blieb auf ihrer Seite vor allem Frust: „In Summe reden wir von fünf wirklich schwerwiegenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns. In einem Spiel, welches das Titelrennen möglicherweise mitentscheidet, ist das einfach zu viel“, monierte Gieseler, der mit Blick auf den sportlichen Part des Abends einschätzte: „Angesichts unserer Steigerung in der zweiten Hälfte wäre ein Sieg nicht unmöglich gewesen. Auch mit einem Punkt hätten wir uns irgendwie anfreunden können. So fühlt sich dieser Ausgang mit all den Begleitumständen aber einfach nur falsch an.“
Denn auch die Hausherren legten es abermals nicht darauf an, dass ihnen die Heyrothsberger Herzen zuflogen. Hatte es bereits nach dem 3:1-Hinspielerfolg der Unioner einige hitzige Wortgefechte gegeben, war die Atmosphäre im Heinrich-Germer-Stadion nach dem Schlusspfiff nicht weniger aufgeladen. Gieseler schilderte: „Sich hinterher vom Gegner noch auslachen lassen zu müssen, hat den Abend kaum erträglicher gemacht. Wir haben die Preussen bereits als schlechte Verlierer erlebt, jetzt haben sie sich auch als schlechte Gewinner erwiesen.“
Das Ende des sieben Siege währenden Heyrothsberger Erfolgslaufs dürfte nun jedoch die Wahrscheinlichkeit erhöht haben, dass sich beide Seiten auch in der neuen Saison begegnen. Zuvor wartet heute ab 15 Uhr aber das Heimspiel gegen den TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens – und gegen einen Gegner, der sich aktuell im freien Fall befindet, auch die Chance zur sportlichen Frustbewältigung.
MSC Preussen: Ghazbaf – Dervishaj, Jibril, Duvnjak, Volkmer (35. Farho), Norenko (90. Othman), Kulinich, Preuss, Acosta, Al Mori (81. Tischer), Gahdo (74. Kidw)
Union: Biegelmeier – Peukert, E. Schäfer, Fritz, Völckel, Marth (63. Schlüter), Kloska, Marks, Schulze, Vasükov (64. Taube), Vogel (63. Gropius)
Tore: 1:0 Marcus Preuss (40.), 1:1 Karsten Völckel (62.), 2:1 Artem Kulinich (86.), 3:1 Artem Norenko (90.+1)
SR: Marcel Meier (Samswegen); ZS: 114
