Heyrothsberge rettet einen Punkt gegen TuS, hadert aber mit dem Auftakt.
Burger Volksstimme vom 01.09.2026
Der Weg von Lukas Steffen führte am Sonnabend in der fünften Minute der Nachspielzeit vom eigenen in den gegnerischen Strafraum. Es war der Weg des Jubels, denn der neue Keeper des SV Union Heyrothsberge hatte mit einem langen Abschlag Christian Kloska gesucht und gefunden. Der Offensivroutinier bestrafte daraufhin den gescheiterten Klärungsversuch von Paul Niemann, umkurvte auch Niklas Rehfeldt, den Schlussmann des TuS 1860 Magdeburg-Neustadt, und schob zum kaum mehr für möglich gehaltenen 2:2 (0:0)-Endstand im Auftaktduell der Landesklasse 2 ein.
Der Jubel über den Last-Minute-Punktgewinn samt Assist vom Torhüter schwappte bei den Gästen allerdings nicht auf alle über. „Im Team gingen die Meinungen weit auseinander. Klar ist es besser, einen als gar keinen Punkt zu holen. Aber ehrlicherweise hätte ich mich mit einer Niederlage kaum anders gefühlt“, ordnete Union-Trainer Marcel Gieseler ein. Die über weite Strecken einseitige Vorstellung seiner Elf war mit diesem Teilerfolg alles andere als angemessen belohnt worden.
„Fünf, sechs gute Gelegenheiten, darunter zwei Hochkaräter bei gefühlten 75 Prozent Ballbesitz“ hatte der Gästecoach allein bis zur Pause registriert. Treffer allerdings nicht. „Wir reden vom ersten Spieltag, dazu liegt eine durchwachsene Vorbereitung hinter uns. Da war völlig klar, dass wir geduldig bleiben und es mit Thomas Tuchel halten müssen: Am Ende glänzt das Ergebnis. Über Champagner-Fußball können wir uns vielleicht in ein paar Wochen unterhalten“, so Gieseler, der nach dem Seitenwechsel einen denkbar unglücklichen Wiedereinstieg seines Teams sah.
Ein unnötiger Ballverlust in der Vorwärtsbewegung flog den Unionern spätestens im eigenen Strafraum um die Ohren, wo Dean-Robbin Taube ins Tackling ging. Sein Trainer sagte: „Ich habe es mir hinterher aus zwei unterschiedlichen Perspektiven im Video angesehen. Es ist eine Kann-, aber keine Muss-Entscheidung. Der Schiedsrichter war sich aber ganz sicher.“ Niemann war es recht und der Elfmeter nach dem ersten Strafraumbesuch überhaupt brachte prompt die 1:0-Führung für TuS (48.).
Umso größer waren Verwunderung und Frust bei den Heyrothsbergern, als Kloska auf der Gegenseite mit einem Griff an die Schulter am möglichen Ausgleich gehindert wurde, die Pfeife von Referee Nick Seydlitz aus Schönebeck aber stumm blieb (55.). „Danach verlieren wir zusehends die Geduld, rennen kopflos an und schlagen lange Bälle ohne klaren Plan“, sah Gieseler, wie aufkommende Unruhe dem Spiel seiner Elf alles andere als half. Noch komplizierter wurde es, als ein Konter der Hausherren das 2:0 durch Philipp Kutz nach sich zog (69.).
Ein Hauch von Vorentscheidung wehte also über den Platz an der Zielitzer Straße, doch in allerletzter Sekunde entfesselte Union nochmals eine wütende Schlussoffensive. Zwar setzte Taube einen – diesmal auch gegebenen Foulelfmeter – zu zentral an, doch TuS-Keeper Rehfeldt konnte den Versuch nur nach vorn abklatschen lassen, wo Marcus Schlüter zum 1:2 verkürzte (83.). Und mit der letzten Aktion des Nachmittags folgte der lange Ball von Keeper Steffen und der überlegte Abschluss von Kloska (90.+5). Entsprechend zwiespältig bewertete Gieseler den Punktspiel-Einstand: „Man muss es den Jungs wirklich hoch anrechnen, dass sie in den letzten fünf Minuten diesen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. Gemessen am Spielverlauf bleiben es aber zwei verlorene Punkte.“
In zwei Wochen gegen Germania Olvenstedt sollen dagegen im Idealfall alle drei Zähler an der Königsborner Straße bleiben. Zuvor steht am Sonnabend, 5. September, jedoch eine Kreispokal-Auftakthürde, die ordentlich Höhe hat. „Es gibt angenehmere Aufgaben als ein Spiel in Brettin, wo sicher auch nicht alle gejubelt haben. Wenn das Vorjahreshalbfinale schon in der ersten Runde wieder aufgelegt wird, kann man jedenfalls nicht von einem glücklichen Händchen der Losfee sprechen.“ Denn einen der Anwärter auf die Trophäe erwischt es gleich zu Beginn. Und die Unioner würden sich eine lange, freudlose Rückfahrt gewiss gern ersparen.
TuS: Rehfeldt – Fischer, Riethmüller, Niemann, Wald (8. Berger), Klawunn, Hildebrandt, Zarek, Schlicht, Schulz (88. Haegebarth), Kutz
Union: Steffen – Peukert, Schlüter, Gropius, Taube, Sensenschmidt (81. Biegelmeier), Völckel, Kloska, Marks, Vasükov, Hanke
Tore: 1:0 Paul Niemann (48., FE), 2:0 Philipp Christian Kutz (69.), 2:1 Marcus Schlüter (83.), 2:2 Christian Kloska (90.+5)
SR: Nick Seydlitz (Welsleben); ZS: 31
